Rezension: „Anzugsvorteil“

Reinhold Ripperger ist ein erfahrener Schachtrainer und auch schon als Eröffnung-Autor mit Büchern zum Zweispringerspiel, zu Sizilianisch und zum Milner-Barry-Gambit hervorgetreten. In seinem neuen Werk stellt er ein Repertoire für den Weißspieler nach 1. e4 vor, wobei er die sieben gängigsten Eröffnungen abdeckt. Die hauptsächlichen Ideen erläutert er anhand von 200 Beispielpartien, gespielt von Amateuren bis hin zu Groß- und Weltmeistern, welche allesamt (!) von Weiß gewonnen wurden.

Und so sehen seine Vorschläge aus:

  1. Sizilianisch: Hier empfiehlt der Autor den Grand-Prix-Angriff in der Form 1. e4 c5 2. Sc3 d6 3. f4 Sc6 4. Sf3 e6 5. Lc4 oder aber mit 1. e4 c5 2. Sc3 d6 3. f4 g6 4. Sf3 Lg7 5. Lb5, wobei er zunächst die seltener gespielten Fortsetzungen […] unter die Lupe nimmt. Ferner kommen die Drachenaufstellung […] zur Sprache, sowie die Offene Variante […] und die Zentrumsvariante mit schwarzen Bauern auf e6 und d6 oder dem schwarzen Vorstoß … d5 (mit 59 Beispielpartien; S. 4-84).
  2. Caro-Kann: Favorit ist die sog. Abtauschvariante 1. e4 c6 2. d4 d5 3. e:d5 c:d5 4. Ld3 Sc6 5. c3 Sf6 6. Lf4 mit der Folge 6 … g6, 6 … e6 oder 6 … Lg4 7. Db3 Dc8/ … Dd7 (mit 26 Partien; S. 85-118).
  3. Skandinavisch: Nach 1. e4 d5 2. e:d5 kann Schwarz entweder 2 … Se6 spielen, worauf Lb5+ folgt, oder aber 2 … D:d5 3. Sc3 Dd6 4. Lc4 a6 5. Lb3 bzw. 3 … Da5 4. d4 Sf6 5. Lc4 e6 6. Ld2 Lf5 7. De2 e6 8. d5! (mit 30 Partien; S. 119-153).
  4. Pirc: Der Angriffsspieler soll hier den Österreichischen Angriff 1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. f4 wählen und weiter 4 … Lg7 5. Sf3 0-0/ … c5 (mit 17 Partien; S. 154-172).
  5. Französisch: Natürlich (siehe oben!) fungiert hier das Milner-Barry-Gambit als Favorit 1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 c5 4. c3 Sc6 5. Sf3 Db6 6. Ld3 c:d4 7. c:d4 Ld7 (oder bereits 6 … Ld7 7. d:c5 L:c5 8. 0-0) 8. 0-0 S:d4 9. Sb:d2 (Nun-Variante) […] (mit 25 Partien; S. 173-215).
  6. Aljechin-Verteidigung, Moderne Variante: 1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. d4 d6 4. Sf3 e6/ … c6/ … d:e5 5. S:e5 Sd7 6. S:f7!/ 4 … Sc6/ 4 … g6 (mit 21 Hauptpartien + 6 weiteren vollständigen Partien im Verlauf des Textes; S. 216-244).
  7. Paulsen-Eröffnung (vor dem Mittelgambit): 1. e4 e5 2. d4 e:d4 3. Dd4 Sc6 4. De3 und weiter 4 … b6/ … d6/ … Lg7 oder häufiger 4 … Lb4+ 5. Ld2 bzw. 4 … Sf6 5. e5 Sd5/ … Sg4 mit scharfem Kampf (mit 22 + 9 Partien; S. 245-279).

Rippergers 1. e4-Repertoire eignet sich bestens für den angriff- und risikofreudigen Spieler, welcher nur begrenzte Zeit auf das Eröffnungsstudium verwenden kann.

Dr. Werner Schweizer, Rochade Europa, 12/2010, S. 71

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